24.Oktober 1963 Kölner Stadt-Rundschau
  Wer Freese entgegentrat war ein Todeskandidat
"Kalter Egoist, der vor keinem Mord zurückschreckt" - Paragraph 51 kommt nicht in Frage - "Generalstabschef" Krämer sorgt Für Heiterkeit

Eigener Bericht der "Rundschau"

Koblenz. Raubmörder und Tresorknacker Dieter Freese, der sich zusammen mit fünf Komplicen vor dem Koblenzer Schwurgericht seit Montag zu verantworten hat, rückte in der gestrigen Verhandlung erneut in den Vordergrund. Dr. Fritz Stockhausen, Landesmedizinalrat aus Bonn, bezeichnete als psychiatrischer Gutachter den Hauptangeklagten als einen gemütsarmen, brutalen Menschen.
Freese, Chef der Bande, die von Oktober 1960 bis März 1962 etwa 250 schwere Straftaten beging, sei einfallsarm und völlig desinteressiert an seiner Umgebung. "In seinem kalten Egoismus schreckte Freese vor keinem Mord zurück. Unvorstellbar ist sein Freiheitsdrang."

Der Psychiater teilte mit, Freese habe ihn um einen Revolver gebeten und wörtlich dazu erklärt: "Mit diesem Revolver werde ich mich in die Freiheit kämpfen, ganz gleich, ob Menschen dabei draufgehen." Freese habe schon in seiner Jugend "deutlich asoziale Züge" gezeigt.

Dr. Stockhausen stellte in seinem psychiatrichen Gutachten weiter fest, daß dem Angeklagten nicht der § 51 zugebilligt werden könne: Das Unerlaubte seines Handelns hätte er einsehen müssen

denn er sei weder geisteskrank noch geistesschwach. "Wer sich diesem Mann in den Weg stellte, war ein Todeskandidat", sagte der Psychiater zum Abschluß seines Gutachtens.

Wilde Drohungen stieß Freese auch gestern wieder gegen seinen Kumpanen Horst Heitkamp aus. "Wenn ich hier mal rauskomme, lege ich Heitkamp als ersten um!" Der 31 Jahre alte Kraftfahrer Heitkamp war nach dem Überfall auf die Zweigstelle Winningen der Kreissparkasse Koblenz am 14. Februar 1992 als erstes Bandenmitglied der Polizei ins Garn gegangen. Mit seinen Angaben hatte Heitkamp die Großaktion der Polizei und die Festnahme der ganzen Bande ermöglicht. Heitkamp soll am Wochenende aus Antrag seines Verteidigers Dr. Schmelz gründlich auf seinen Geisteszustand untersucht werden, weil er in der Verhandlung am Donnerstag und Freitag "verrückt gespielt" hatte

"Romanschreiber" und Friseur Werner Krämer, Generalstabschef der Bande, sorgte Für die unvermeidlich groteske Note während der Freitag-Verhandlung. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum denn bei dem Überfall auf die Kasse in Winningen / Koblenz alle sechs Täter bewaffnet gewesen seien, antwortete Krämer: "Haben Sie, Herr Richter, denn schon mal ein Kinostück mit einem Überfall ohne Waffen gesehen?"
Den Angeklagten Hans Günter Ubrich bezeichnete der Facharzt Für Nervenkrankheiten Dr. Bohr aus Koblenz als zurechnungsfähig. Ubrich sei mehr der Hehlertyp, der gern "eine große Rolle spielt". Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.

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Für diese Seiten verantwortlich: Klaus Blömeke. Letzte Aktualisierung: 28.1.2003

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