Unfall in den Ofenkaulen an Kafreitag, 29. März 2002

Nebenstehendes Bild zeigt unseren Höhlenforscher mit Frau bei der Genesung. Berichte und Bilder gibts direkt von der Quelle (der Text bei den beiden Seiten ist identisch):
Pressebericht der Feuerwehr Königswinter
Artikel bei Inter-Times
Ein Bild von dem Schacht, den der junge Mann herunterfiel, gibts unter 2. Sohle. Der Schacht ist 4,20 m tief.






des weiteren schrieb der General-Anzeiger (30.3.2002):

30-Jähriger stürzt fünf Meter tief in Ofenkaule in Königswinter

Rettungskräfte befreien den schwer verletzten Mann mit einer speziellen Trage aus dem Tunnel

Von Uta Effern-Salhoub

Königswinter. In eine Ofenkaule gegenüber vom Petersberg stürzte am Freitagnachmittag ein 30-jähriger Mann. Er erlitt schwere Verletzungen und löste eine aufwändige Rettungsaktion von Feuerwehr, Notarzt und Polizeikräften aus.

Zwei nicht aus der näheren Umgebung stammende Familien, die mit ihren Kindern durch das Naturschutzgebiet gegenüber vom Petersberg streiften, waren auf einem Trampelpfad an der Kaule mit ihrer schmalen Öffnung vorbeigekommen. Die beiden Väter kletterten aus Neugier und Abenteuerlust hinab. Der 30-Jährige stieg als erster in die Tiefe. Als sein 33-jähriger Begleiter ihm folgen wollte, hörte dieser nur noch einen Schrei: Der 30-Jährige war abgerutscht und fünf Meter tief auf den Boden der düsteren Kaule gestürzt.

Großeinsatz für Feuerwehr und Notarzt: Der 30-Jährige hatte sich in den schmalen Lüftungsschacht - zu sehen in der Wand rechts - gezwängt und war dann abgestürzt.

Per Handy alarmierten der 33-Jährige und die übrigen Familienmitglieder die Feuerwehr. Die 20 Männer der Löschgruppen Niederdollendorf und Altstadt unter Leitung von Stadtbrandmeister Michael Bungarz und der Notarzt legten die mehrere hundert Meter lange Strecke zum Einsatzort zu Fuß zurück, weil das unwegsame Gelände nicht befahren werden konnte. Nur ein Unimog mit Stromaggregat bahnte sich den Weg bis zur Unfallstelle. Über eine mitgebrachte Steckleiter stiegen vier Wehrmänner und der Arzt durch die schmale Öffnung zu dem Verletzten in die Tiefe, während die übrigen Helfer versuchten, mit Scheinwerfern Licht in den Schacht zu bringen.

Das Ende einer aufwändigen Rettungsaktion: Mit der speziellen Trage wurde der Verletzte mehrere hundert Meter durch den Wald zum Krankenwagen transportiert.

Die Retter legten den Verletzten in eine Schleifkorbtrage. Dann beförderten sie ihn nicht über die Steckleiter, sondern über die engen unterirdischen, etagenartig angelegten Gänge der Kaule ins Freie. Der 30-Jährige hat sich bei dem Sturz eine Unterschenkelfraktur zugezogen. Darüber hinaus hat er möglicherweise eine Wirbelsäulenfraktur erlitten. Die Wehrleute trugen den Mann mehrere Minuten durch den Wald zurück bis zum Rettungswagen. Dessen Besatzung brachte den Verletzten ins Bad Honnefer Krankenhaus. 45 Minuten dauerte die auch für die Rettungskräfte nicht ungefährliche Bergung.

Die Feuerwehr warnt Spaziergänger ausdrücklich, die unterirdischen Backofenkaulen zu betreten. Vor rund zehn Jahren gab es einen ähnlichen Unfall, bei dem ein Mann abgestürzt war. Damals musste der Schwerverletzte mit Leinen den Schacht hinaufgezogen werden. In den Ofenkaulen gewann man früher Steinplatten für den Ofenbau. Seit 1600 ist der Abbau in unteririschen Stollen nachgewiesen. Bis 1930 war Königswinter als Zentrum des Backofenbaus berühmt.

Und 300 Jahre unterirdischer Stollenbau haben ihre Spuren hinterlassen: Der Berg ist durchhöhlt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die bis zu zehn Meter tiefen Stollen als Fluchträume genutzt. Nach dem Krieg wurden die Eingänge verschlossen - nur sehr schmale Spalten für die Fledermäuse sind geöffnet und zumeist mit Gittern verschlossen, die aber häufig herausgerissen werden. Das Betreten der Kaulen ist streng verboten. Sie sind als Bodendenkmal geschützt.




der Express schrieb:

Bonner überlebte 5-Meter-Sturz im Siebengebirge

Ich hatte nen Schutzengel

Von BARBARA PÖHL

Bonn - Alex, Stefanie und Niko (10, 7, 5) hatten Hummeln im Hintern. „Wann kommt Onkel Jürgen endlich“, nervten die Rabauken im Drei-Minuten-Takt, wollten nur eins: endlich los. Ein Familienausflug nach Königswinter stand auf dem Nachmittagsprogramm. Niemand ahnte, dass die Tour mit einem schlimmen Unfall enden würde. Michael Raditzky, der Vater der Kids, wagte sich in die berüchtigten Ofenkaulen, stürzte ab und fiel fünf Meter in die Tiefe.
Es war purer Leichtsinn. Neugier packte den 30-Jährigen, als er am Wegrand den schmalen Schacht zu einem unterirdischen Stollen entdeckte. „Das schau ich mir genauer an“, rief er seiner Bande zu, dann war er auch schon durch die enge Öffnung verschwunden. Mit einem Feuerzeug leuchtete der Bonner die Höhlen der alten Ofenkaule aus, konnte von der Tunnelanlage gar nicht genug bekommen. Für alles „Komm zurück...“ und „Nimm dich in Acht...“ seiner Familie hatte der 30-Jährige kein Ohr mehr. „Wow, das ist besser als jedes Museum“, tönte er begeistert. Plötzlich: sein schriller Schrei, ein dumpfes Aufprallgeräusch, dann Stille.
„Ich war wie gelähmt“, verrät Angela Raditzky (29), die Ehefrau des Verunglückten. „Mit zittriger Hand alarmierte ich die Feuerwehr, versuchte meine geschockten Kinder zu beruhigen.“ Knapp zwei Stunden dauerten die aufwendigen Bergungsarbeiten der Wehrmänner, geleitet von Michael Bungarz. Der 35-Jährige: „Sechs Jahre war ich Nichtraucher, aber nach der Aktion hab ich mir erst mal eine Kippe geschnorrt. Wir waren alle in Lebensgefahr.“
Michael Raditzky landete schließlich in der Unfallchirurgie der Bonner Uni-Klinik. „Er hätte sich das Genick brechen können. Der Mann hatte Glück“, weiß Oberarzt Christian Paul. „An einer komplizierten Operation kommt unser Patient allerdings nicht vorbei - sein linker Fuß ist mehrfach gebrochen.“
Zig Prellungen erinnern den Familienvater an seinen Kletterspaß. Der ist ihm jetzt für alle Zeiten vergangen. „Nie wieder! Ich dachte, mein letztes Stündchen habe geschlagen. Ich hatte einen Schutzengel.“
Die Feuerwehr warnt Spaziergänger ausdrücklich vor dem Betreten der unterirdischen Backofenkaulen. Ralf Kiserg, Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter: „Der Berg ist durchhöhlt, seine tiefen Stollen einsturzgefährdet. Nach dem Krieg hat man alle Eingänge verschlossen. Nur ein paar Lüftungsschächte für Fledermäuse erinnern an das alte Bergwerk, aus dem man vor vielen Jahren Steinplatten für den Ofenbau gewann. Wer dort rumklettert, gefährdet nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das von Rettungskräften. Die Unfall-Chirurgie auf dem Venusberg: Bonnweit gilt sie als die beste und modernst ausgerüstete ihrer Art. Gerade flossen fünf Millionen Euro in hochtechnisierte Röntgengeräte. Oberarzt Christian Paul kennt man dort als Koryphäe unter den Chirurgen.

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